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Vera Lill
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21. November 2016 Herbstkonzert im SWR-Studio

„Immer wieder geht die Sonne auf und bringt ein Licht“. Diese Botschaft eines Hits von Udo Jürgens vertrieb Novembertristesse am Samstag auch beim klassischen Konzert im SWR-Studio. Allerdings lässt sich dies als Metapher für die inspirierende Erleuchtung übertragen, wenn ein Liebhaberorchester wie das Sinfonieorchester des Landkreises Kaiserslautern (SOKL) eben nicht nur von der Muse geküsst, sondern vom Erfolg verwöhnt und angespornt wird. Das Konzert war vielleicht eines der besten im 36-jährigen Bestehen des Orchesters.

Der Grund ist neben der künstlerischen Realisierung aber auch vordergründig in der programmatischen Konzeption zu suchen, die einmal Streicher und Bläser getrennt präsentierte, um sie dann am Konzertende wirkungsvoll zu verschmelzen. Aber auch die Werke selbst sprengten stilistisch mit Ausflügen ins 20. Jahrhundert oder mit Anklängen an Filmmusik oder Oper den Rahmen des Gewohnten...

... Die Nische zwischen kleiner Kammerbesetzung und Sinfonieorchester besetzte Milhaud mit einer Komposition für je zwei Flöten, Oboen, Klarinetten, Fagotte und Hörner. Aus der Vielzahl der Episoden ragt ein jazzig inspiriertes Klarinettensolo heraus, das zwar spielerisch im Tonfall gut getroffen wurde, aber die Spitzentöne des Instruments dynamisch zu stark ausreizte.

Harmonischer, im Sinne von klanglich ausgeglichener und melodisch gerundeter ging es beim zweiten Werk dieser Besetzung zu: Georges Enescus Bläserensemble-Komposition... Auch dieses komplexe Werk verlangte den in Ansatz, Tonbildung, Intonation und spieltechnischer Solidität überzeugenden Bläsern alles an melodischen Finessen ab.

Dagegen war der große Streicherapparat mit Nino Rotas „Concerto per Archi“ und Pietro Mascagnis Intermezzo sinfonico aus der zweiten Oper „Cavalleria rusticana“ gänzlich anders gefordert: Das subtile Entwickeln thematischer Substanz aus motivischen Keimzellen, das klangliche Verdichten und der Aufbau von interpretatorischer Hochspannung durch leichte Tempoänderung, Dynamik und gestalterische Intensität. Dies und die Entwicklung von atmosphärischen Klangflächen gelang Weidt bei dem zur nahtlosen klanglichen Einheit in lupenreiner Intonation verschmelzenden und sehr kultiviert und ausbalanciert klingenden Klangkörper sehr gut.

Wäre nicht das bisweilen bombastisch anmutende Capriccio bohèmien von Rachmaninow zum Ausklang gewesen, die anderen Blechbläser und Schlagwerker wären glatt leer ausgegangen. Hier konnten sie mit einem im SWR-Tonstudio wunderbar ausgewogen klingenden erweiterten sinfonischen Orchester weitere Akzente setzen oder klangliche Impulse geben, welche die sinfonische Dichtung über das Zigeunerleben zum Erlebnis machten. Auch wirkte alles sehr eindringlich charakterisiert, nichts wurde geglättet, alles hatte emphatische Ausdruckskraft und wirkte trotz eruptiver und plakativer Ausbrüche doch sehr kontrolliert und diszipliniert.

Die Rheinpfalz, 21.11.2016

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